Die Berber – auch Amazigh bzw. Imazighen genannt – haben ihren Ursprung in Nordafrika. Der Terminus Berber leitet sich vom griechischen Begriff bárbaros ab. Die negativen Konnotationen, die heute in diesem Wort mitschwingen, hatte diese Bezeichnung ursprünglich jedoch nicht. Die alten Griechen verwendeten die Bezeichnung bárbaros schlichtweg für fremdartige Menschen, welche die griechische Sprache nicht oder nur gebrochen beherrschten. Heute bezeichnen sich besonders marokkanische Berber bevorzugt mit dem Wort Imazighen. Dieser Begriff stammt selbst aus der Berbersprache und lässt sich mit „Die Freien“ übersetzen. Bei Fragen der kulturellen Identität steht allerdings oft der jeweilige Volksstamm innerhalb des Berbervolks – etwa bei den Rifkabylen – im Vordergrund.

Das Berberische zählt zu den sogenannten afroasiatischen Sprachen. Die Zahl der Sprecher soll sich nach Auffassung von Linguisten auf mindestens 30 und maximal 65 Millionen belaufen. In Marokko sind vor allem drei Dialekte der Berbersprache verbreitet, nämlich Tamazight, Taschelhit sowie Tarifit. Tamazight hat nicht nur die mit Abstand meisten Sprecher, sondern dient auch als Standarddialekt, der die allgemeine Verständigung ermöglicht. Dabei wird allerdings das Wort Tamazight auch als Oberbegriff für die Gesamtheit aller Berbersprachen verwendet. Mehr als die Hälfte der Marokkaner beherrschen eine der Berbersprachen. Tamazight – ist neben marokkanischem Arabisch – auch Amtssprache des nordafrikanischen Staates.

Bereits in über 5.000 Jahre alten Aufzeichnungen der Ägypter findet das Berbervolk – unter Bezeichnungen wie Lebu oder Meschwesch – Erwähnung. Mindestens seit dem zweiten Jahrtausend vor Christus haben Stämme der Berber auf dem heutigen Staatsgebiet von Marokko gelebt. Im zehnten vorchristlichen Jahrhundert herrschten Berberstämme sogar über das Pharaonenreich. In den folgenden Jahrhunderten wurde das Berbervolk maßgeblich durch Siedler und Eroberer aus verschiedenen Hochkulturen – wie Phönizien, Griechenland, Rom oder Byzanz – beeinflusst. Mitte des siebten Jahrhunderts wurden die Berber islamisiert und spielten bald selbst bei der Islamisierung der Welt – und hier besonders der iberischen Halbinsel – eine wichtige Rolle. Heute gehören 70 bis 80 Prozent der Bevölkerung Marokkos dem Berbervolk an. Dabei handelt es sich zum größten Teil um arabisierte Berber. Allgemein ist die Kultur der heutigen Berber stark durch die Osmanen, Spanier, Franzosen und vor allem Araber geprägt. Warum? Dies hat einen einfachen geschichtlichen Hintergrund: alle aufgeführten Nationalitäten besetzten, bekriegten oder eroberten das Land Marokko im Laufe seiner Geschichte.

Wer sich für die Berber mit der größten Tradition und Kultur interessiert muss zum Rifatlas und zur Tangerküste fahren, dort lebt der Berberstamm der Rifkabylen. Die dort gesprochene Sprache heißt Tarifit und wird in Marokko von rund 3,5 Millionen Menschen gesprochen. Leider ist die Geschichte der Rifkabylen durch einen brutalen Krieg von 1921 – 1926 geprägt, in dem es auch zum Einsatz von Chemmiewaffen kam.